Herbstbericht - ECOVIN Wein-Jahrgang 2010 Vielschichtige Weine mit Frische, Spiel und Finesse

Zufrieden sind die ECOVIN Winzer mit ihrem Jahrgang 2010. Nach einem wetterbedingt schwierigen Start und regional sehr unterschiedlichen Witterungen im Sommer prägten durchschnittliche Ernteeinbußen von 30-50 % das Weinjahr. Mit viel Sorgfalt, Handarbeit und Können wurden vielschichtige Weine gekeltert: frisch, fruchtig und leicht. Was derzeit in den Kellern der ECOVIN- Winzer in den Fässern liegt, überzeugt! 
Mit einem „Kaltstart“ gingen die ECOVIN Winzer in ihr Weinjahr 2010. Winterfrostschäden an frühen Rebsorten und insgesamt schwierige Witterungsbedingungen während der Rebblüte waren ein Grund für die geringen Ernteerträge.
Hatte die Rebblüte mit den kühlen Temperaturen von Mai und Juni zu kämpfen, brachte der Juli sehr heiße Tage und erschwerte damit die Entwicklung der Reben. Unterschiedliche Rei-fefortschritte an jeder Rebe und teilweise sogar an jeder Traube waren typisch für das Erntegut in diesem Jahr. Starker Hagelschlag im Sommer sorgte besonders in der Pfalz und Rheinhessen für Schäden an bis zu 90 % der Trauben.
Nach einem feucht-kühlen August und September wurden die Winzer dann belohnt: mit dem goldenen Oktober. Dieser brachte mit viel Sonne und warmen Tagen dann nochmals einen deutlichen Qualitätsschub. Für die Ernte bedeutete dieser, vom Wetter bestimmte Jahrgang viel Handarbeit, mehrfache Selektion der unterschiedlich gereiften Trauben und somit einen deutlichen Anstieg von benötigten Arbeitskräften.
Das Ergebnis dieses Weinjahres: gute ECOVIN-Weine mit wenig Spät- und Auslesen – körperreiche, rassige Rieslinge und frische, fruchtige, vom Alkoholgehalt eher leichte Weine.
ECOVIN – der Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V.: Vereinigung von 215 Weingütern aus elf deutschen Anbaugebieten, die 1500 Hektar Rebfläche ökologisch bewirtschaften.

AHR – Geringe Mengen mit Kunst gekeltert: Weine mit Frucht und Schmelz

„An der Ahr erwies sich das Jahr 2010 als außergewöhnlich schwierig“, so Christoph Bäcker von der ECOVIN- Regionalgruppe AHR. Während der lange Winter und das kühle und feuchte Frühjahr den Austrieb verzögerten, war die Blüte der Reben Mitte Juni einigermaßen in der Norm. Stark beschleunigt wurde die Entwicklung der Reben durch die Hitzeperiode Ende Juni bis Mitte Juli. In einigen kühlen Wochen mit vor allem regnerischem Wetter saugten sich die Beeren mit Wasser voll, sodass es teilweise zum Platzen der Beeren kam und frühzeitig der Botrytispilz um sich griff. Einige Sonnenphasen sorgten für einen Reifefortschritt bei den Trauben.
„Nach der Lese kann man sagen: Mit sehr viel Mühe konnten wir reife und gesunde Trauben ernten. Die Verluste durch Fäulnis waren aber immens“, so Bäcker. „Letztendlich musste bei den roten Sorten jede Traube begutachtet und selektiv gelesen werden, was sich in einem enormen Arbeitsaufwand niederschlug.“
Einige Zeit, nach dem die meisten Weine durch die Gärung sind, resümiert Christoph Bäcker: „Wir sind mit der Qualität zufrieden. Einige Sorten überzeugen durch viel Frucht und Schmelz. Leider müssen wir, wie im Vorjahr bereits, mit sehr geringen Mengen leben. Da wird es, besonders bei der wichtigsten Sorte der Ahr, dem Spätburgunder, sicher zu Lieferengpässen kommen.“

BADEN – Viel Arbeit für besonders gute Weine

„Ein wechselhafter Sommer hat die diesjährige Weinernte in Baden geprägt“, so Paulin Köpfer, ECOVIN- Regionalgruppe Baden. „Die Rebblüte im Juni unter schwierigen Witterungsbedingungen ist nicht nur Grund für eine sehr kleine Ernte, sondern auch die unterschiedlichen Reifefortschritte an jeder Rebe, und teilweise an jeder Traube.“
Mit viel Handarbeit und Selektion einzelner Trauben konnten qualitativ sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Laut Köpfer präsentieren sich die 2010er Weine sehr vielschichtig mit Frische, Spiel und Finesse. „Wir freuen uns in diesem Jahr über mineralische, erfrischend fruchtige und vom Alkoholgehalt eher leichte Weine, die durch eine ausgewogene und reichhaltige Zusammensetzung von Inhaltstoffen entstanden sind.“

FRANKEN – fruchtige Weine mit harmonischer Säure

„Nach einem kalten Frühling hatten auch wir eine lange Trockenperiode“, so Anton Hell, von der ECOVIN-Regionalgruppe Franken. „Viel Regen und kühle Nächte kamen dann den Fruchtaromen zugute, die wir in diesem Jahr sehr ausgeprägt finden.“ Laut Hell sind mit 87 bis 101° Oechsle Weine von hoher Qualität entstanden, die sich nach dem ersten Abstich sehr fruchtig und mit harmonischer Säure präsentieren. „Beim ökologischen Weinbau haben wir in Franken durchweg weniger Fäulnis und dadurch eine sehr gute Qualität zu verzeichnen“, so Anton Hell. „Wer über das Jahr die Natur beobachtet und mit viel Sorgfalt gearbeitet hat, kann sich auf einen sehr guten Jahrgang freuen.“ 

MOSEL – mineralisch fruchtige Weine von guter Qualität

„Bei den frühen Rebsorten haben wir teilweise Winterfrostschäden zu verzeichnen“, so Harald Steffens von der ECOVIN- Regionalgruppe Mosel. Laut Steffens erfolgte der Austrieb später als gewohnt, sodass sich auch die Rebblüte verspätete. Die danach folgenden war-men Wochen führten wieder zu einer Vegetation, die im langjährigen Mittel war. Die Wetterbedingungen im trockenen, heißen Juli waren regional ganz unterschiedlich. Während es in der Zeller Moselschleife zu Trockenschäden an jüngeren Reben kam, gab es einen Moselmäander weiter genügend Niederschläge. „Pilzkrankheiten spielten bei uns in diesem Jahr keine Rolle“, so Steffens, „lediglich der nasse August und September führte zu vermehrter Fäule und somit zu einem etwas früheren Erntebeginn.“ Die Erntemengen sind von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich und im Durchschnitt 30 bis 40 % geringer. Die Qualitäten bewegen sich fast ausschließlich im Prädikatsweinbereich. Die Süß-, bzw. Dessertweinproduzenten, die eine negative Vorlese gemacht hatten, konnten sich über das trockene Oktoberwet-ter freuen. Die für die Dessertweinproduktion nötige saubere Edelfäule konzentrierte die Moste bis in den Trockenbeerenauslesebereich.
„Wir freuen uns über einen guten Jahrgang und Weine, die sich schon jetzt mineralisch und fruchtig präsentieren“, so Harald Steffens.

NAHE – wenig Ertrag für feinfruchtige Weine

Georg Forster, ECOVIN- Regionalgruppe Nahe, berichtet über sehr geringe Erträge insbesondere bei den frühen Sorten. „Sehr unterschiedlich haben sich die Trauben entwickelt“, so Forster. „Während die einsetzende Fäulnis in einigen Weinbergen die Erträge schrumpfen ließ, gab es andere Lagen mit relativ gesunden Trauben und fast normalen Erträgen.“
Laut Forster gab es bei den spät reifenden Sorten oft erfreulich gute Trauben und normale bis gute Erträge, dank der einsetzenden trockenen Witterung im Oktober - aber auch hier negative Ausreißer mit Fäulnis und wenig Ertrag.
Alles in allem ein teilweise sehr schwieriger Jahrgang. „Die Weine probieren sich aber schon jetzt mit feiner Frucht und brauchen vielleicht ein etwas längeres Hefelager, bis die nötige Reife zur Abfüllung erreicht ist“, so Georg Forster.

PFALZ – ein einzigartiger Jahrgang mit leichten, verspielten Weinen

„Dieser Jahrgang ist einzigartig“, so Alexander Pflüger, von der ECOVIN- Regionalgruppe Pfalz. Nach einem kalten und nassen Frühjahr mit Minustemperaturen im März und einem Austrieb erst Ende April, setzte sich der schwierige Start ins Jahr im Mai und Juni fort. Viele Niederschläge im Juni wurden durch einen trockenen Juli und August abgelöst. Das Ergeb-nis: kleine Beeren mit geringem Fruchtansatz, sodass spätestens im August deutlich wurde, dass die diesjährige Ernte sehr gering ausfallen wird. Die Lese begann Ende September mit frühen Sorten und nach dem letzten Lesetag am 23. Oktober war klar: Der Ertrag wird durchschnittlich 30% geringer ausfallen.
„Wir freuen uns über die sehr gute Qualität der Weine“, so Pflüger. „Wir haben Riesling Spät- und Auslesen mit 100° Oechsle und eine Trockenbeerenauslese mit 200° Oechsle. Insgesamt zeigen sich unsere Weine leicht, frisch und verspielt.“

RHEINGAU – körperreiche, gut strukturierte und rassige Rieslinge

Michael Albrecht von der ECOVIN- Regionalgruppe Rheingau berichtet über sein Weinjahr folgendes: „Die noch geringen Mostgewichte von Mitte September wurden zusehends bes-ser. So stimmten die Mostgewichte Mitte Oktober (85° -105°) sehr versöhnlich.“
Laut Albrecht zeigte sich eine sehr unterschiedliche Traubengesundheit. Während im mittleren Rheingau die Fäulnis stark zunahm, waren die Rieslingtrauben im oberen wie im unteren Rheingau bis zur Lese weitestgehend gesund. In Winkel hatte man das Phänomen von Mosten mit 104° Oechsle und 16 ‰ Säure. Bei gesunden Trauben in Eltville mit 95° Oechsle lag der Säurewert bei 11,5 ‰.
„Die Ökotrauben sahen in der Regel deutlich besser aus, als die der konventionellen Kollegen“, so Michael Albrecht.  Die längeren Wartezeiten mit der Lese reduzierte die ohnehin kleine Menge noch einmal etwas. Die Qualität nahm durch den goldenen Oktober deutlich zu.
„Uns erwartet ein leicht säurebetonter Jahrgang. Die Qualität war bei geringeren Mengen bis dato sehr gut. Freuen wir uns auf körperreiche, gut strukturierte rassige Rieslinge, die den Namen auch verdienen. Man wird sich beeilen müssen welche abzubekommen“, so Albrecht.
„Abschließend möchte ich noch den guten Zusammenhalt der Rheingauer Ökowinzer in diesem Herbst betonen“, so Michael Albrecht. „Wir haben uns gegenseitig geholfen, wo wir ge-braucht wurden.“

RHEINHESSEN – wenig Ertrag – aber wunderbare Rieslinge

"In Rheinhessen ist die Ernte 2010 geprägt durch teilweise sehr geringe Erträge und gute Qualitäten der späteren Sorten wie Riesling, Spätburgunder und Weißburgunder“, so Johann Schnell von der ECOVIN- Regionalgruppe Rheinhessen. Als Ursachen für die geringen Er-träge ist laut Schnell vor allem der sehr ungünstige Witterungsverlauf zu sehen.
Hatte der kalte und lange Winter bereits einige Austriebschäden verursacht, so war das sehr schlechte Blühwetter im Mai eine weitere Enttäuschung und lies die Erwartungen auf eine gute Ernte schmelzen. Der Hochsommer überraschte dann mit hohen Temperaturen was für die Reben Stress bedeutete. Ein sehr feuchter August und September lies dann den Ertrag der frühreifen Rebsorten stark zusammenschrumpfen. „Belohnt wurden wir dann doch noch mit einem goldenen Oktober, welcher unsere Rieslinge zu einer wunderbaren Reife führte.“