Großstudie zeigt: Bioprodukte sind besser als konventionell erzeugte

Berlin, Oppenheim, 18.08.2009

Deutscher Naturschutzring (DNR)
Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände Pressemitteilung 20-2009

Vor kurzem veröffentlichte Studie der britischen Food Standard Agency (FSA) weist große Mängel auf.

Ökoprodukte sind auch ernährungsphysiologisch besser als konventionell erzeugte, betonten Vertreter des Deutschen Naturschutzrings (DNR) und des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) bei der Vorlage der Ergebnisse des fünfjährigen europäischen Forschungsprojektes QLIF* heute in Berlin. "Nach den Ergebnissen von QLIF enthalten Ökoprodukte bei verschiedenen Kulturen wie Kohl, Salat, Tomaten oder Kartoffeln gegenüber dem konventionellen Anbau deutlich höhere Gehalte an Antioxidantien, Vitaminen und bioaktiven Stoffen. Biomilch weist vor allem im Sommer 40 bis 60 Prozent mehr Omega-3-Fettsäuren und konjugierte Linolsäuren (CLA) sowie 30 bis 70 Prozent mehr Vitamine, Carotinoide und andere Antioxidantien auf", erläuterte Projektleiter Urs Niggli.

Diese Ergebnisse widerlegen die vor kurzem veröffentlichte Studie der britischen Food Standard Agency (FSA), die großes Aufsehen in der deutschen Öffentlichkeit erzeugt hatte.

Ursachen

Hauptursache für die besseren Ergebnisse der Ökoprodukte ist die organische Düngung, deren Wirkung bisher unterschätzt wurde. Sie erhöht gegenüber der mineralischen Düngung beim konventionellen Landbau nicht nur die Gehalte an bioaktiven Stoffen, sondern beeinflusst auch die Genexpression, die Eiweißprofile und die Konzentration von Stoffen, welche die Abwehrkräfte der Pflanzen stärken. Sekundäre Pflanzenstoffe (oder bioaktive Stoffe) wirken im tierischen und menschlichen Körper als Antioxidantien. Das sind Substanzen, die als Radikalfänger im menschlichen Organismus bei der Infektionsabwehr entzündungshemmend wirken und das Risiko für bestimmte Krebs- und arteriosklerotische Erkrankungen verringern.

Bei der Biomilch spielt die artgerechte Fütterung der Tiere mit Gräsern und Kräutern eine wichtige Rolle für die Zusammensetzung der Milch. Die günstigere Zusammensetzung der Fettsäuren ist vorteilhaft für die menschliche Gesundheit. LDL-Cholesterin-Werte lassen sich senken, die Verklumpung von Blutplättchen in den Blutgefäßen wird vermindert.

Kritik an britischer Studie

"Auffallend ist, dass die FSA-Studie kurz vor der Veröffentlichung der Ergebnisse des QLIF-EU-Forschungsprojektes erfolgte, natürlich ohne deren Erkenntnisse zu berücksichtigen", kritisierte DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen. Zudem seien gezielt Studien ausgeschlossen worden, die den höheren Gehalt von bioaktiven Stoffen bei Bioobst belegten.

Heftige Kritik an der FSA-Studie übte auch Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, 1. Vizepräsident des DNR. "Problematische Rückstände von Pestiziden, Wachstumsregulatoren, Schwermetallen und Nitraten wurden erst gar nicht berücksichtigt, da sie nach Ansicht der FSA nicht relevant für die Ernährung seien. Dabei sind die negativen chronischen Wirkungen bereits geringer Konzentrationen dieser Schadstoffe für Kleinkinder längst bekannt", so Vogtmann. Die Ökoprodukte schneiden gerade bei diesen gefährlichen Substanzen sehr gut ab.

Der ökologische Landbau weist zudem im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft positive Effekte für die biologische Vielfalt auf. Neben der Ausstattung mit naturnahen und miteinander vernetzten Flächen ist vor allem eine naturschonende Bewirtschaftung von Bedeutung. Biobetriebe haben wegen der gezielten Förderung von Nützlingen zur Schädlingsbekämpfung und den Bewirtschaftungsrestriktionen (Verzicht auf Pestizide und synthetische Düngermittel) einen höheren Anreiz, ökologische Ausgleichsflächen wie zum Beispiel Hecken anzulegen. Durch den Verzicht auf die sehr energieaufwändige Herstellung und den Einsatz von Pestiziden und Mineraldünger leistet der Ökolandbau einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Durch den höheren Humusgehalt der Böden läßt sich beim Ökolandbau zudem mehr Kohlenstoff speichern als bei der konventionellen Bewirtschaftung.

Für weitere Informationen:

Dr. Urs Niggli, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Schweiz
mobil: 0041 79 218 80 30

Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, 1. Vizepräsident DNR
mobil: 0176 62 54 74 81

Dr. Helmut Röscheisen, DNR-Generalsekretär
mobil: 0160 97 209 108