Ernte 2009

Oppenheim, den 30.10.2009

Ernte 2009 bei ECOVIN – geringere Mengen und hervorragende Qualitäten
Ein perfektes Jahr für fruchtbetonte Rieslinge und dichte Rotweine

Mit dem Jahrgang 2009 sind die ECOVIN Winzer sehr zufrieden: In nahezu allen Anbaugebieten verzeichnen die Ökowinzer zwar 20 bis 30 %, an Nahe und Ahr sogar bis zu 50 % weniger Ertrag als im Durchschnitt. Dafür ernteten sie hervorragende Qualitäten. Sie stellen fruchtbetonte Rieslinge, kräftige Weiß- und Grauburgunder sowie besonders farbintensive, komplexe Rotweine in Aussicht.

Ahr – wenig, aber sehr gut

„Wenig, aber sehr gut - so könnte man den 2009er Jahrgang an der Ahr zusammenfassen“, meldet Christoph Bäcker: „Bedingt durch starke Verrieselungsschäden während der Rebblüte und durch Trockenheit im Sommer, war die Erntemenge in diesem Jahr um 30 bis 50 % geringer als in Durchschnittsjahren. Vor allem der Spätburgunder - unsere wichtigste Sorte - hat sehr niedrige Erträge vorzuweisen.

Die Qualitäten sind dagegen überdurchschnittlich gut. Ein typischer Rotweinjahrgang: Durch die gute Witterung im August/September konnten die Trauben mit einem frühen und gleichmäßigen Reifeverlauf aufwarten. Die Lese begann dann in der 3. Septemberdekade noch relativ gemächlich, musste dann aber forciert werden, da mit einem Witterungsumschwung Anfang Oktober schlechtes Wetter aufkam und Traubenfäulnis drohte. So kam es dann zu einem Blitzherbst, bei dem Mitte Oktober schon fast alle Trauben geerntet waren.

Der Jahrgang zeichnet sich sicherlich durch seine säurearmen Weine aus. Da wir an der Ahr jedoch überwiegend Rotweine ausbauen, ist dies für uns nicht so ausschlaggebend. Wichtiger sind Farbstoffgehalt und Gerbstoffstruktur der Weine. Und da lassen die ersten Jungweine schon Großes erwarten. Trotz höherer Alkoholgehalte präsentieren sie sich schon recht rund, kräftig und nachhaltig. Für das kommende Jahr lässt das auf hervorragende Weine schließen, wenn erst einmal die Reifung im Holzfass erfolgt ist.“

Baden – hohe Qualitäten und Lese in Rekordzeit

Für Baden berichtet Paulin Köpfer: „Um den 10. September waren die Trauben mit Mostgewichten von knapp 90° Oechsle bei den Burgundersorten im Grunde vom Zuckergehalt bereits reif. Erste Ansätze von Traubenfäulnis konnten sich auf Grund der trockenen Witterung zum Glück nicht weiterentwickeln.

Die Trauben hatten in allen badischen Regionen herausragende Reife entwickelt. Die Lese begann zum kalendarischen Herbstanfang, dem 22. September, um aber bereits vor den ersten Niederschlägen ab dem 8. Oktober weitestgehend abgeschlossen zu sein. Eine Lese in Rekordzeit!

Besonders beeindruckend sind in diesem Jahr bei den Weißweinen die Aromasorten Gewürztraminer, Muskateller sowie Sauvignon Blanc. Am Kaiserstuhl wird von besonders kräftigen weißen Burgunderweinen berichtet (Weiß- und Grauburgunder sowie Chardonnay). Über alle badischen Regionen hinweg gelten aber vor allem die Rotweine als Gewinner des Jahres 2009: farbkräftige, dichte Spätburgunder mit viel Frucht und reifem, samtigem Tanningerüst.

Mit der Ertragsmenge sind die badischen ECOVIN Weingüter und Genossenschaften gleichfalls sehr zufrieden. Insbesondere das Verhältnis von Qualität zu Ertrag ist in diesem Jahr sehr positiv.“

Nahe: Dichte Weine und kleinere Mengen

Für die Nahe beschreibt Georg Forster: „Die Lese begann am 25. September sehr gelassen, verlief dann ab Mitte Oktober mit den Regenphasen recht hektisch. Das Ende der Lese war um den 17. Oktober. Die Erntemenge war bei uns an der Nahe bis um 50 % und mehr reduziert, hauptsächlich wegen der Trockenheit. Der 2009er Jahrgang zeigte sich vom Pflanzenschutz her sehr schwierig.

Die Oechslewerte lagen in den meisten Fällen über denen des Vorjahres, die Säurewerte sehr gut dazu passend. Die Burgunder wurden bei rund 100° Oechsle gelesen. Bei den Rieslingen waren 95 -100° Oechsle keine Seltenheit. Gespannt sind wir auf die Rieslinge, die sich bestimmt sehr vielschichtig entwickeln. Die roten Rebsorten werden wegen ihrer hohen Traubenreife und der niedrigen Erntemenge sehr komplex ausfallen. Einen ersten Geschmack auf den neuen Jahrgang kann man bei den Traubensäften gewinnen, die wir zum Beispiel von Phönixtrauben gekeltert haben.“

Mosel – hervorragende Rieslinge erwartet

An der Mosel wurde die Hauptlese zum Monatsende Oktober beschlossen. Harald Steffens ist begeistert: „Das ist ein hervorragender Jahrgang! Selten haben wir so ein gelungenes Lesegut gehabt.“ Einzige Einschränkung: Bedingt durch den Kälteeinbruch während der Blütezeit und durch Peronospora, liegt die Erntemenge mit 20 bis 25 % unter dem Durchschnitt.

Die Mostgewichte bewegten sich im oberen Bereich, 85 bis 90° Oechsle bei den normalen Rieslingen. „Wer Rosinen pickte, kam in sehr hohe Regionen jenseits der 130° Oechsle“, fügt Timo Dienhart hinzu. Die ECOVIN Winzer von der Mosel erwarten extrem fruchtbetonte, frische Rieslinge mit einer perfekt passenden Säure.

Rheingau – hohe Mostgewichte und ausgeglichene Säure

Im Rheingau ist die Hauptlese zum26. Oktober beendet worden. Michael Albrecht ist sehr zufrieden: „Dieser Jahrgang gibt Grund zur Freude.“ Zwar ist die Erntemenge auch im Rheingau 20 bis 40 % niedriger ausgefallen als der Durchschnitt. Dafür lagen die Mostgewichte über 100° Oechsle bei gut ausgereiften, aromatischen Trauben. So werden im Rheingau sehr komplexe Weine mit ausgeglichener Säure erwartet. Erstmals seit 2003 sind auch wieder Spätburgunder Spätlesen dabei.

Pfalz – kein Grund zur Säuerung

In der Pfalz begann die Lese in der zweiten Septemberwoche mit den frühen Sorten, die Hauptlese dauerte bis Ende Oktober. Die Winzer freuten sich über gute bis hervorragende Qualitäten, mussten aber teilweise Ertragseinbußen hinnehmen: Das Weingut Fippinger-Wick im Zellertal verzeichnete 20 % weniger Erntemenge bei den Rotweinen im Vergleich zum Vorjahr und das benachbarte ECOVIN Weingut Janson-Bernhard sogar 20 bis 30 % weniger bei allen Sorten. Die ECOVIN-Kollegen in der Vorderpfalz hingegen hatten nur bescheidene Mengeneinbußen.

Die Säurewerte waren gut bis optimal, eine Nachsäuerung nicht notwendig. Christine Bernhard gibt die Meinung ihrer Kollegen wieder: „Säuerung lehnen wir ab, das gibt unharmonische Weine.“ Auch außergewöhnliche Mostgewichte waren zu vermelden: Klaus Rummel zum Beispiel erntete eine Huxelrebe mit 150° Oechsle, Bernd Pflüger einen Riesling von 130° Oechsle.

Die ersten 2009er werden bald auf den Markt gebracht, das Weingut Fippinger-Wick wird Ende November seinen Händlern einen Primeur anbieten. Klaus Rummel empfiehlt seinen Cabernet Franc, der schon in der Gärung Aromen von grüner Stachelbeere und hochreifen Holunderblüten zeigt.

Rheinhessen – weniger Ertrag und perfekte Konditionen für Rotweine

Johann Schnell bringt die Lage der rheinhessischen ECOVIN Winzer auf den Punkt: „Das hat Spaß gemacht!“ In Rheinhessen war die Hauptlese schon am 5. Oktober vorbei. Die Erntemengen fielen nach Rebsorten und Fäulnisbefall sehr unterschiedlich aus, insgesamt rund 20 % weniger als im Vorjahr.

Doch die Qualität war bei allen Sorten sehr gut. Die Oechslegrade lagen bei allen Rebsorten überdurchschnittlich hoch, bei ausgewogenen Säurewerten.

Auch Beerenauslesen waren gut möglich. Johann Schnell freut sich über eine Huxelrebe, die er mit 126° Oechsle gelesen hat. Der 2009er Jahrgang zeigt sich in Rheinhessen als perfektes Weinjahr für sämtliche roten Sorten.

Württemberg – keine Masse, dafür viel Klasse

Aus Württemberg melden Andreas Stutz und Jürgen Winkler: Die Lese startete mit der pilzwiderstansfähigen Rebsorte Solaris schon Mitte August. Die Erntemenge fiel um rund 30 % geringer aus als im Vorjahr, dafür mit Spitzenqualität. Dabei zeigten sich Mostgewicht und Säure in der Regel in ausgewogenem Verhältnis. Auch außergewöhnliche Mostgewichte waren zum Lesezeitpunkt vertreten, zum Beispiel  die Rebsorte Samtrot mit über 100° Oechsle.

Den Jahrgang beurteilen die Württemberger ECOVIN Winzer als sehr schwierig: Der Juli mit seinen 21 Regentagen brachte Mehltaupilze. Doch sorgsame Pflanzenschutzarbeiten und trocken-warmes Wetter im August und September verhinderten einen größeren Einsatz von Kupfer im Weinberg. Einen Solaris 2009 wird es schon ab Ende November im Verkauf geben. Der Jahrgang 2009 bringt in Württemberg auch vollmundige Lemberger hervor, dank hoher Reife und Holzfasslagerung.

Die ersten 2009er Spitzenweine von ECOVIN werden im nächsten Frühjahr mit Spannung erwartet.

ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V.: Vereinigung von 210 Weingütern aus 10 deutschen Anbaugebieten, die 1300 Hektar Rebfläche ökologisch bewirtschaften (Erntevolumen in 2008: rund 8 Mio. Liter).

Weitere Informationen:
ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V.
Ralph Dejas
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