ECOVIN Weinlese 2014: Viel Selektionsaufwand für gute Qualitäten

Nach vielversprechendem Frühjahr folgt regenreicher Sommer, neue Herausforderungen erfordern in allen Anbaugebieten Fingerspitzengefühl und Einsatz. Das Fazit für die Weinlese ist einfach formuliert: Sie war sehr kurz und mit risikoreichen Entscheidungen verbunden.

Das Weinjahr fing in allen Anbaugebieten sehr gut an. Das Frühjahr startete im gesamten Anbaugebiet sehr gut. Der Verlauf der Blüte und die Gesundheit der Reben wurden durch die Trockenheit im Juni begünstigt. Die Anzahl der Fruchtansätze nach der Blüte war sehr hoch. Die Hoffnung der ECOVIN Winzer war groß, dass sie nach drei Jahrgängen mit guten Qualitäten, aber leider unterdurchschnittlichen Mengen, ein besseres Weinjahr vor sich hatten. Im Juli und August zeigte sich der Sommer von einer kaum sonnigen Seite. Es fielen Regenmengen weit über dem langjährigen Mittel. Die Temperaturen lagen zudem über dem Durchschnitt, beide Faktoren förderten das Pflanzenwachstum, eine üppige Anzahl an Weintrauben war die Folge.

Dieses Klima war in allen Anbaugebieten keinesfalls nur positiv. Nicht nur die nasse Witterung und die warmen Temperaturen erhöhten die Gefahr der Fäulnis. Neue Herausforderungen durch die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege veranlassten die Winzer zu einer deutlich früheren und rasanten Weinlese. Das Anstechen der Beeren durch die Kirschessigfliege kann zu einer Infektion der Beeren mit Fäulnissporen führen. Hohe Anstrengungen und gut geschultes Personal für eine perfekte und rasche Selektion der Beeren waren deshalb unverzichtbar.

Trotz der Wetterkapriolen und den neuen Herausforderungen ziehen die ECOVIN Mitglieder in Bezug auf die Qualität der Trauben ein positives Resultat der Lese. „Es war wieder einmal kein einfaches Jahr, eher schwierig, mit viel Arbeit in kurzer Zeit. Diesen Herbst galt es keine Fehler zu machen, dadurch konnten wir Winzer die Qualität der Trauben sichern und sehr gute Qualitäten erzielen“ so zieht Sebastian Müller sein Fazit. Die Mengen blieben wie in den Vorjahren in den meisten Gebieten hinter den Erwartungen. Wenige Trauben sind noch am Stock und wenn es die Bedingungen zulassen, können noch Qualitäten wie Auslese, Beerenauslese oder sogar Eiswein erzielt werden.

Kurze Mitteilungen aus den einzelnen Regionen:

Ahr- sonnige Tage im Oktober für den Spätburgunder
Für ECOVIN Winzer Christoph Bäcker sah bis Mitte des Jahres alles nach einem guten Weinjahr aus. „Der Winter war sehr trocken und mild. Der Austrieb an der Ahr startete bereits Anfang April. Die trockenen und warmen Temperaturen führten zur Rebblüte in den ersten beiden Juniwochen. Die Wetteränderung brachte der Juli. Es setzte zeitweise heftiger Regen ein, die Temperaturen sanken und die Entwicklung der Trauben geriet ins Stocken. In den Monaten Juli und August fielen 200% der normalen Niederschläge“, so Christoph Bäcker. Die Kirschessigfliege verursachte an der Ahr besonders bei den frühreifen Rotweinsorten Schäden. Die konsequente Selektion der gesunden Beeren führte zu guten Qualitäten des Lesegutes bei reduzierter Menge. Der später reifende Spätburgunder profitierte in diesem Jahr von einigen sonnigen Tagen im Oktober. Die Chancen hochwertige Weine zu erhalten, stehen sehr gut.

Baden- gutes Potential für ausgezeichnete Qualitäten
ECOVIN Winzer Paulin Köpfer fasst die Weinlese in Baden wie folgt zusammen: „Die badischen Biowinzer sind insgesamt sehr glücklich über die gute Ertragslage, die dazu beitragen kann, die nach den letzten zwei, eher schwachen Jahrgängen leeren Keller zu füllen.
Gleichzeitig hat der Jahrgang gutes Potential für ausgezeichnete Qualitäten. Der Entwicklungsstand lag im September deutlich vor dem langjährigen Mittel, die Zuckergehalte bereits auf recht hohem Niveau. Vor allem zeigen die Trauben geschmacklich gute Reife mit hervorragender Balance von Zucker, Fruchtsäuren und Aromen. Grundlage für saftige, fruchtige Weine mit attraktivem Aromaspektrum. Bereits Mitte September begann bei den ECOVIN Mitgliedern die Weinlese, damit früher als im Schnitt, vorrangig in den klimatisch am meisten begünstigten Regionen wie dem Kaiserstuhl, Tuniberg und dem Breisgau, zeitlich einige Tage verzögert im Markgräflerland und den nordbadischen Bezirken.  Die frühen Rebsorten wie Müller Thurgau und Regent zeigten zu diesem Zeitpunkt bereits eine gute Reife. Die in Baden flächenmässig dominierenden Burgundersorten wurden unmittelbar darauf geerntet.“

Franken- gutes Jahr für ökologisch wirtschaftende Winzer
Anton Hell ist durchaus zufrieden mit der Lese und den Qualitäten 2014: „ Der Vegetationsverlauf in Franken war gut. Im Juli und August gab es zwar viel Niederschlag, jedoch hatten wir eine gut gewachsene Begrünung, die den Überschuss an Wasser auffangen konnte. Es war dieses Jahr extrem wichtig stets eine luftige Laubwand zu haben.“ Problematisch wurde der viele Regen erst im September. Die Beeren reicherten sich mit Wasser an und die Beerenhäute platzten. Hierdurch entstand zeitlicher Druck, gesunde anstatt mit Fäulnis befallene Trauben zu ernten. „Wir haben dieses Jahr alles was, wir sonst in drei Wochen lesen in einer Woche in unser Kelterhaus geholt“ so Anton Hell. Durch den Regen konnten die roten Trauben viel Mineralstoffe ansammeln, was zu kräftigen Weinen führt. Die weißen Sorten zeigen sich in diesem frühen Stadium sehr fruchtig. Insgesamt konnten die ECOVIN Winzer in Franken eine durchschnittliche Menge mit guten Qualitäten ernten.

Mosel-Trotz hohem Anteil an Fäulnis hohes qualitatives Niveau
Harald Steffens fasst das Weinjahr 2014 an der Mosel zusammen: „Das erste Halbjahr war durch extreme Trockenheit geprägt. Da jedoch hochsommerliche Hitze fehlte, gab es nur in jungen Weinbergen Wasserprobleme. Der Austrieb der Reben lag fast drei Wochen vor dem langjährigen Mittel. Die Rebblüte fand an Pfingsten bei hochsommerlichen Temperaturen statt. Die Bestäubung der Blüten war sehr gut. Anfang Juli fielen die ersehnten Regenfälle, überaus reichlich. Juli und August waren gekennzeichnet durch große Regenmengen (weit über dem langjährigen Mittel), sodass schon Befürchtungen laut wurden, dass die kommende Ernte wie in 2013 durch Fäulnis geprägt sein wird. Die kühle Augustwitterung verhinderte bis Anfang September Fäulnis und der Vegetationsvorsprung ist nicht mehr erkennbar. Jedoch brachte der September so viel Regen, dass viele Beeren sich mit Wasser vollsaugten, aufplatzten und so Fäulnis entwickelten. Einen großen Anteil der Trauben am Stock konnten nicht gelesen werden und so reduzierte sich die Erntemenge auf ein normales Level. Dank der intensiven selektiven Ernte sind die meist noch gärenden Jungweine auf hohem qualitativem Niveau.
 
Nahe- Mit viel Fingerspitzengefühl zu sehr guten Qualitäten
An der Nahe gab es bis Juni einen deutlichen Vegetationsvorsprung aufgrund des milden Winters und des schönen, trockenen Frühjahrs. Juli und August zeigten sich mit viel Niederschlag. Die warme Witterung, das feuchte Klima im September und die Kirschessigfliege erhöhten den Befall mit Fäulnis enorm. Erhöhter Selektionsaufwand war gefordert. Stellenweise konnten ganze Weinberge wegen des starken Fäulnisbefalls nicht geerntet werden. Deshalb stand bei den meisten Winzern neben der Qualitäts- auch die Ertragssicherung im Vordergrund. ECOVIN Winzer Sebastian Müller beschreibt die jungen Weine wie folgt: „Die weißen Jungweine präsentieren sich zum jetzigen Zeitpunkt leicht und fruchtig. Auch für fruchtige Roséweine und leichte Rotweine sind sehr gute Qualitäten zu erwarten. Schwieriger gestaltete sich in diesem Jahr die Produktion von Rotweinen und Weißweinen im Premiumsegment. Lediglich durch Fingerspitzengefühl, mit sehr hohem Arbeitsaufwand und kleinsten Erträgen lässt sich dieses Segment bedienen.“

Pfalz- unausgewogener Herbst mit guten bis sehr guten Erträgen
Für ECOVIN Winzerin Christine Bernhard war das Weinjahr 2014 „ein schwieriges Jahr“. Gründe hierfür sind die Kirschessigfliege, die Wetterlage und der damit verbundene Pilzdruck. Viele Winzer in der Pfalz begannen mit der Hauptlese vor dem Wurstmarkt in Bad Dürkheim, der am 11. September 2014 startete. “Ein absolutes Novum“ so Christine Bernhard. Dieser frühe Lesebeginn hat zu einem Teil mit der Maschinenlese und der Angst der Winzer vor erheblicher Fäulnis zu tun. Dennoch konnten die Pfälzer ECOVIN Betriebe teilweise sehr gesunde und reife weiße Burgunder und Rieslinge ernten und auch die Erntemenge liegt im Durchschnitt.

Rheinhessen- Winzer wurden aufs Ganze gefordert
„Nach einem sehr milden Winter, mit wenig Niederschlag, folgte ein ebenso mildes Frühjahr. Dies führte dann auch zu einem frühen Austrieb der Reben und einer frühen Rebblüte. Die Zeichen für einen großen Jahrgang standen somit sehr gut“, so beschreibt Erik Riffel den Anfang der diesjährigen Vegetationsperiode. Etwas eingetrübt wurde das Ganze durch ständigen Niederschlag im August und noch mehr im September, was das Aufplatzen der Beeren zur Folge hatte. Ebenso große Sorgen bereitete den ECOVIN Winzern im nördlichen Rheinhessen die Kirschessigfliege, die vor allem bei frühreifen Rotweinsorten einige Schäden anrichtete. Die ECOVIN Winzer in Rheinhessen mussten sehr intensive Selektionsarbeit im Weinberg leisten, um sich dann aber einer genialen Traubenqualität zu erfreuen. „Etwas weniger Schäden durch den aus Japan eingeführten Schädling, vor allem nach der Ernte der frühen Rotweinsorten, konnten die ECOVIN Winzer im südlichen Wonnegau verzeichnen“ so beschreibt Tobias Zimmer die Lage in seiner Nachbarschaft.
Sehr intensive Aromen in den Trauben lassen spannende Weine erwarten. Und die ersten durchgegorenen Weine sind schon sehr vielversprechend. Tobias Zimmer beschreibt die ersten Jungweine als „ frisch, fruchtig, teilweise sehr mineralisch mit sehr harmonischer Säure“.
„Schlussendlich ein Jahrgang, der die Winzer aufs Ganze gefordert hat, aber wieder viel Freude beim Wein-Genießen bringen wird“ resümiert Erik Riffel.

Württemberg- Württemberger Wengerter wurden am Ende mit guten Qualitäten belohnt
In Württemberg war ein Großteil der Weinlese Mitte Oktober beendet. ECOVIN Winzer Reinhard Schäfer bezeichnet die Erträge „Sortenweise als sehr unterschiedlich, sie liegen jedoch eher im mittleren Bereich.“ Die Wengerter in Württemberg hatten, wie fast alle Winzer in anderen Anbaugebieten, vor allem bei den frühen Rotweinsorten, dem Dornfelder und dem Trollinger mit dem Befall durch die Kirschessigfliege zu kämpfen. Für niedrigere Erträge sorgte beim Lemberger zudem die Verrieselung. Auch die Rieslinge erforderten eine rasche Lese. Reinhard Schäfer sieht den Leseaufwand hinsichtlich der Personalkosten und dem Arbeitsvolumen als sehr hoch an, denn Maschinenlese war fast nicht möglich. Die Burgundersorten zeigen in Württemberg sehr gute Qualitäten, die Mostgewichte lagen im normalen Bereich.
 

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