Biowinzer schaffen Inseln der Artenvielfalt

Oppenheim 22. Mai 2014. Heute ist Startschuss für die Umsetzung des neu entwickelten Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsprogrammes für ECOVIN-Betriebe.  Zum internationalen Tag  der Biologischen Vielfalt (UNESCO) informieren ECOVIN, Global Nature Fund und Bodensee-Stiftung zu Artenvielfalt und Nachhaltigkeit im ökologischen Weinbau. Ein gemeinsames Projekt von Naturschützern und Winzern hat Konzepte für den Öko-Weinbau weiter entwickelt und zeigt, dass Biowinzer weit über Weinberge und Keller hinausdenken und Inseln der Artenvielfalt in der Agrarsteppe schaffen.

Seit 1985 macht sich der Anbauverband ECOVIN  mit wachsendem Erfolg für den ökologischen Weinbau stark. Aktuell bewirtschaften 250 Mitgliedsbetriebe rund 1.900 Hektar Rebfläche. Entscheidend dabei ist die Ökologisierung der Flächen: Der Verzicht auf Gifte und Chemiedünger, die schon bei der Produktion Umweltauswirkungen haben, das Bodenleben zerstören, Gewässer und Atmosphäre belasten, bleibt der erste Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Ökoweinbau bedeutet aber  mehr, denn die Winzer lernen, das Ökosystem Weinberg neu zu verstehen und blicken weit über die eigene Scholle hinaus. „So entstehen in ausgeräumten und lebensfeindlichen Agrarlandschaften Inseln der Artenvielfalt“ sagt Dr.  Thomas Schaefer, Leiter für Naturschutz beim Global Nature Fund. Winzer blicken bezüglich Biodiversität und Klimawandel weit voraus und seien eine Avantgarde in Europas nachhaltiger Landwirtschaft. Seit heute steht den Weinbaubetrieben bei ECOVIN ein Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsprogramm mit 71 Parametern zur Verfügung. „Damit können Winzer ihre Aktivitäten strategisch planen, zielgerichtet umsetzen und den Kunden kommunizieren“ fasst Dr. Kerstin Fröhle, Projektleiterin bei der Bodensee-Stiftung, die Ergebnisse zusammen.

Biodiversity-Check  im Bio-Weinbau
Das Projekt „Naturschutz und Biodiversitätserhalt als CSR-Aufgabe im Mittelstand“ wird im Rahmen des Programmes „CSR im Mittelstand“ des Bundeministeriums für Arbeit und Soziales durchgeführt. Mit einem branchenangepassten Biodiversity-Check wurden in 30 Betrieben ökologische Strukturen und das Artenspektrum im Weinberg erfasst; Düngung, Pflanzenschutz und Maschineneinsatz wurden  analysiert und  Zulieferketten der Betriebsmittel auf weltweite Umweltauswirkungen untersucht. Schließlich wurden Energie- und Wasserverbrauch, die Behandlung von Abwässern, das Müllaufkommen, der Einsatz erneuerbarer Energien und die Gebäudestruktur erfasst.

Erneuerbare Energien, Kork und Glas – Der Blick aufs Ganze für Klimaschutz und Biodiversitätserhalt
Vielen Biowinzern ist es zu selbstverständlich, über ihre Leistungen zu informieren. Schade, denn Fahrwegeoptimierung, möglichst klimaneutrale Logistik und die Nutzung innovativer Energiekonzepte sind Standard. Biowinzer verzichten auf jegliche Stoffe, bei denen Gefährdungen von Umwelt und Natur unklar sind.  Die Einsatzmöglichkeiten  von Leichtglas- und Recyclingflaschen,  Bag in Box und Pfandsystemen werden getestet und Erfahrungen ausgetauscht. „Der Wein verkauft sich im Regal leider oft über das Gewicht der Flasche“, erläutert ECOVIN Geschäftsführer Ralph Dejas. Ein hohes Flaschengewicht werde irrtümlich mit hoher Qualität gleichgesetzt. Beispiel für ein weiteres Arbeitsfeld ist der Flaschenverschluss. Der wachsende Einsatz von Alu-Schraubverschlüssen im Weinbau allgemein entzieht den Korkeichenbauern in Portugal die Wirtschaftsgrundlage. Lebensräume für Kaiseradler und Pardelluchs werden gefährdet, und viele Ökowinzer setzen nach wie vor auf Kork.
Hintergrundinformationen:

Internationaler Tag der biologischen Vielfalt
In diesem Jahr wird der internationale Tag der biologischen Vielfalt bereits zum fünfzehnten Mal gefeiert. Der Tag erinnert an den 22. Mai 1992, an dem in Nairobi Einigkeit über den Text des UN-Übereinkommens über biologische Vielfalt erzielt wurde. Dieses Übereinkommen wurde im Rahmen des Erdgipfels im Juni 1992 in Rio de Janeiro zur Zeichnung ausgelegt - heute ist es mit über 190 Vertragsstaaten eines der erfolgreichsten Übereinkommen der Vereinten Nationen. Bis zum Jahr 2000 war der 29. Dezember der Tag der biologischen Vielfalt.
Thema des Tages 2014: Inseln und Biologische Vielfalt.
Internet: www.unesco.de/tag_biodiversitaet.html

Bodensee-Stiftung
Die Bodensee-Stiftung ist eine projektorientierte Naturschutzorganisation und setzt sich für nachhaltige Wirtschaftsweisen in der internationalen Bodenseeregion und darüber hinaus ein. Die aktuellen Handlungsfelder sind u.a. kommunales Nachhaltigkeitsmanagement, klima- und umweltfreundliche Landwirtschaft, Bioenergie und regionaler Klimaschutz, Unternehmen und Biologische Vielfalt.
Die Bodensee-Stiftung ist Partner der Europäischen Business and Biodiversity Kampagne. Internet:www.bodensee-stiftung.org/

Global Nature Fund
Der Global Nature Fund (GNF) wurde 1998 als internationale Stiftung für Umwelt und Natur gegründet. Schwerpunkte sind der Schutz der Wasserressourcen und speziell der Seen und Feuchtgebiete, die Förderung einer umweltfreundlichen und sozialverträglichen Entwicklung in Seenregionen, erneuerbare Energien, Schutz von Natur- und Kulturlandschaften sowie `Unternehmen und Biologische Vielfalt`. GNF ist Koordinator der Europäischen Business and Biodiversity Kampagne. Internet: www.globalnature.org.

ECOVIN
Der ECOVIN Verband gründete sich 1985 in Rheinhessen als größter Zusammenschluss ökologisch arbeitender Weingüter in Deutschland. ECOVIN ist der einzige, ausschließlich auf ökologischen Weinbau spezialisierte Anbauverband. Das ECOVIN Markenzeichen garantiert Verbrauchern gehobene Qualität und ökologische Konsequenz. Mit dem ECOVIN Warenzeichen sind ausschließlich Produkte gekennzeichnet, die aus ökologisch erzeugten Trauben hergestellt sind: Wein, Sekt, Schaumweine, Saft, Trester, Tafeltrauben. Internet: www.ecovin.de
 

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