2016 - Herausforderungen beim Pflanzenschutz im Bioweinbau

Der Frühsommer 2016 bot mit seinen Wetterkapriolen ideale Bedingungen für den Falschen Mehltau, auch Peronospora genannt. Die Niederschläge waren bereits im Januar und Februar aber auch im April bis Juni sehr hoch. Zahlreiche Starkregenereignisse führten zu großen Problemen in der Landwirtschaft generell. Die warmen Temperaturen gepaart mit Feuchtigkeit waren die Hauptgründe, welche zu einem teils massiven Peronospora Befall führten.

Allerdings muss man die Situation differenziert betrachten. Gab es in manchen Parzellen einen heftigen Befall, der bis hin zum Totalausfall führte, gibt es Flächen in der gleichen Lage, in denen die Erträge im Durchschnitt liegen. In manchen Regionen freut man sich bereits jetzt auf gute Erträge. Neben der Großwetterlage spielt das Mikroklima eine entscheidende Rolle. Weinreben in Senken haben andere Bedingungen als Weinreben in gut durchlüfteten Hanglagen. Auch die verschiedenen Rebsorten stecken den Peronospora-Befall unterschiedlich weg. Aber selbst die pilzwiderstandsfähigen Sorten (auch PIWIs genannt) hatten in diesem Jahr mit dem falschen Mehltau zu kämpfen.

Im ökologischen Weinbau wird die Ausbreitung des falschen Mehltaus u.a. mit Kupferpräparaten verhindert. Erlaubt sind in Deutschland 3 kg Kupfer pro Hektar und Jahr, in diesem Jahr mit Ausnahme 4 kg. In der europäischen Ökoverordnung sind 6 kg vorgesehen. Viele Länder gehen mit ihrer nationalen Regelung an diese Grenze. Deutschland hat sich, auch aufgrund der Erfahrung der Verbände wie ECOVIN, auf eine Pflanzenschutzstrategie verständigt, bei der 3 kg vereinbart worden sind. Ein wichtiger Baustein in dieser Strategie ist das Mittel Kalium-Phosphonat.

Kalium-Phosphonat wurde Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre im Bioweinbau gemeinsam mit Beratern und Winzern entwickelt. Es steigert die pflanzeneigenen Abwehrkräfte und wirkt deshalb sehr gezielt. In Kombination mit Kupfer, anderen pflanzenstärkenden Präparaten und einer an die Rebe angepassten ökologischen Bewirtschaftung der Weinberge konnte eine funktionierende Strategie entwickelt werden, die den hohen Ansprüchen von Winzern und Verbrauchern an den ökologischen Weinbau genügt. Bis zum Jahr 2013 war diese Strategie erfolgreich. Bis dahin konnte Kaliumphosphonat als Pflanzenstärkungsmittel im Ökologischen Weinbau eingesetzt werden.

Im Jahr 2012 gab es jedoch eine Änderung im Europäischen Pflanzenschutzgesetz. Aufgrund dieser Änderung wurde Kaliumphosphonat als Pflanzenschutzmittel eingestuft und muss ein komplexes Listungsverfahren durchlaufen. Im konventionellen Weinbau durfte es nach 2012 nahtlos weiter eingesetzt werden. Eine Listung im Anhang II der Ökoverordnung, welcher die biologischen Pflanzenschutzmittel ausweist, steht jedoch nach wie vor aus.

ECOVIN warnt seit der Gesetzesänderung vor den großen Gefahren, die auf die Branche zukommen können. Eine seit Jahren gut abgestimmte Pflanzenschutzstrategie funktioniert aufgrund der fehlenden Zulassung von Kaliumphosphonat im Ökoweinbau nicht mehr! Jahre wie 2016 stellen die Winzer auf eine harte Probe.

Gemeinsam mit den anderen Verbänden ist ECOVIN im Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (B.Ö.L.W.) organisiert und hat entsprechende Gutachten und Anträge erstellen lassen. Der B.Ö.L.W. setzt sich für eine Neuzulassung des Mittels ein.

Kaliumphosphonat ist für Mensch und Umwelt unbedenklich. Es wird im Boden zu Kalium und Phosphonat abgebaut. Beides sind essenzielle Nährstoffe für Pflanzen, Tiere und Menschen. Kaliumphosphonat hat einen naturstofflichen Charakter und ist mit den Grundsätzen des Ökolandbaus vereinbar. Rückstände von Kaliumphosphonat in den Pflanzen sind für die menschliche Gesundheit absolut unbedenklich. Phosphonate werden als Ausgangsmaterial für die Entstehung des Lebens angesehen. Mit Milch und Milchprodukten nehmen wir täglich Phosphonate in unseren Körper auf. Das Vorhandensein von Phosphonaten verbessert außerdem die Calcium-Versorgung.
Um dennoch mögliche Rückstände zu vermeiden wurde das Mittel nur bis zum Ende der Blüte der Weinreben eingesetzt. Eine systemische Wirkung, also ein Eindringen in die Pflanze und ein Stärken dieser von innen heraus ist bei solchen Starkregenereignissen, wie wir sie in diesem Sommer erlebt haben, erwünscht.

Für die Zukunft ist es absolut unabdingbar, die momentan existierenden Wettbewerbsverzerrungen im ökologischen Weinbau in Europa zu beseitigen. Unterschiedliche geografische Gegebenheiten erfordern hierauf spezifisch angepasste Pflanzenschutzstrategien. In Europa gibt es Weinbau von Sizilien bis Schweden. Dieser Vielfalt muss Rechnung getragen werden.

ECOVIN plädiert dafür den IFOAM Kompromiss umzusetzen. Dieser schlägt vor, Kalium-Phosphonat in den Mitgliedsstaaten einzusetzen, welche die Höchstmenge von 6 kg Kupfer nicht ausreizen. Eine ökologisch sinnvolle Pflanzenschutzstrategie, wie sie bis 2013 viele Jahre lang sehr gut funktionierte.

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