Eigenes Regenwasser nutzen!

„Abwasser-Wiederverwendung in der grünen Branche hat in vielen Mitgliedsländern der Europäischen Union ein beträchtliches Potential.“ Dies konstatieren zumindest die Autoren des UN-Wasserentwicklungs-Reports 2015. Die gegenwärtige Realität schaut allerdings anders aus. Angesichts niedriger Wasserpreise gibt es nur wenige Betriebe die die anfallenden Regenmengen tatsächlich nutzen. Die Winzer-Brüder Hemer gehören dazu. Sie machen es zu allererst aus Überzeugung, weniger aus ökonomischem Kalkül. Doch kann sich das bei steigenden Wasserpreisen sehr schnell ändern.

„Wir sind sensibel beim Wasser“, sagt der ECOVIN Winzer Andreas Hemer aus Worms-Abenheim. Das hat seine guten Gründe. Liegt doch die jährliche Niederschlagsmenge im Westen von Rheinhessen bei geringen 530 Liter pro Quadratmeter. Daher bewässern er und sein Bruder Stefan vom Ökoweingut Hemer ihre 36 Hektar Reben in Perioden großer Trockenheit, wie im zurückliegenden Sommer, mit effizienter Tropfbewässerung.
Vor drei Jahren hat der Familienbetrieb mit eigener Flaschenabfüllung eine neue Produktionshalle außerhalb des Ortskerns errichtet. Die bebaute Fläche umfasst rund ein Hektar, dabei versickert das auf den gepflasterten Flächen anfallende Schmutzwasser in einem um das Betriebsgelände angelegten Graben. Das flache Hallendach  - auf der Sonnenseite mit Photovoltaik bestückt – bedeckt rund 2.000 Quadratmeter. „Das Regenwasser, das vom Dach anfällt, wollen wir in Zukunft auffangen, dafür nehmen wir 20.000 Euro in die Hand“, erklärt Hemer vor dem Neubau stehend. Dieses Wasser soll zukünftig für das Aufmischen von biologischen Pflanzenschutzmitteln, für die Bewässerung der um das Hofgelände angepflanzten Hecken und für Reinigungszwecke verwertet werden. Um die jährlich vom Dach anfallende Wassermenge von rund einer Million Liter auch in der Kelterei einsetzen zu können, müssen die Winzer-Brüder das Regenwasser fachgerecht aufbereiten. „Wir werden zwei große Zisternen bauen, mit denen wir insgesamt rund 100.000 Liter speichern und filtern können. Das macht für uns Sinn, weil wir  für Reinigungsarbeiten in unserer Kelterei jährlich rund 400.000 Liter verbrauchen“, erläutert der 40-jährige Hemer sein Wiederverwertungskonzept im schmucken Degustations-Raum, der sich im umgebauten Stall des Stammhauses in Abenheim befindet.
Klar, man könne auch einen Brunnen auf eigenen Flächen bohren, doch müsse man am eigenen Standort 80 bis 100 Meter tief gehen. Das sei nicht billig, abgesehen davon belaste es den Grundwasserhaushalt. Allerdings, so räumt Hemer freimütig ein, ist die geplante Regenwasseraufbereitung derzeit noch keine Investition, die sich kurzfristig amortisieren würde. „Wir denken da langfristiger. Wir wollen uns am liebsten mit Wasser, ähnlich wie mit der Holzhackschnitzelheizung und dem Strom aus der Photovoltaik im Energiebereich, weitestgehend selbst versorgen“, sagt der Winzer, der seinen Betrieb im Jahr 2003 auf ökologische Produktion umstellte und heute Mitglied im Anbauverband Ecovin ist. Zudem: Je weniger Abwasser vom Betriebsgelände in die öffentliche Kanalisation gelangt, desto geringer sind die Abgaben. Überdies ist die Abwasseraufbereitung sehr energieaufwendig. In diesem Kontext verweisen viele Experten auch auf den so genannten „Wasser-Energie-Nexus“, der besagt, dass bei steigendem Energieverbrauch auch der Bedarf an Wasser wächst.

Text & Bilder: Dierk Jensen

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